Im Jahr 2027 feiert Margetshöchheim 800-jähriges Ortsjubiläum. Zu dem Anlass will die Gemeinde ab 2026 das historische Theaterstück "Margetshöchheimer Gelöbnis" mit den Bürgern auf die Bühne bringen. Erste Mitwirkende haben sich angemeldet, nun starten die Vorbereitungen in die heiße Phase. Die künftigen Darsteller treffen sich bereits am 13. Januar 2025.
Zum 800-jährigen Ortsjubiläum soll das historische Theaterstück "Margetshöchheimer Gelöbnis" wieder auf die Bühne gebracht werden. Es wurde 1952 von Autor Hugo Werner an der Margetshöchheimer Schule entwickelt und im Rahmen der damaligen 725-Jahrfeier uraufgeführt; danach galt es lange als verschollen, bis Brigitte Laudenbacher vom mainART-Kulturverein es in einem Nachlass wiederentdeckte. Der Kulturverein konnte für die Umsetzung bereits den renommierten Regisseur Carsten Steuwer gewinnen - er findet das Stück "sehr gelungen" und hat es bereits zeitgenössisch adaptiert und behutsam um einige Szenen erweitert, sodass eine abendfüllende Aufführung von rund zwei Stunden möglich ist. Das "Margetshöchheimer Gelöbnis" soll ein Gemeinschaftsprojekt der ganzen Dorfgemeinschaft werden - auf und hinter der Bühne. Das Vorhaben ist ambitioniert und braucht eine längere Vorlaufzeit, deshalb laufen seit einigen Monaten schon erste Vorbereitungen. In Kürze startet das Projekt bereits in die heiße Phase: am 13. Januar treffen sich alle, die Rollen auf der Bühne übernehmen möchten, zu einer ersten Besprechung mit dem Regisseur.
Das Stück spielt in turbulenten Zeiten
Das "Margetshöchheimer Gelöbnis" spielt um 1525 im ausgehenden Mittelalter zur Zeit der Bauernkriege, welche in Franken und speziell im Bistum Würzburg deutliche historische Spuren hinterließen. In dem Theaterstück gibt es beispielsweise regionale Bezüge zu den Würzburger Bischöfen und Reichsritter Florian Geyer. Eine zentrale Rolle spielt die Heilige Margareta als Ortspatronin; dank ihrer Hilfe blieb Margetshöchheim während der Rachezüge des Adels vor dem Schlimmsten verschont. Die Margetshöchheimer Ortspatronin gilt als Schutzheilige für die Bauern, die Schwangeren und gegen Unwetter und Gefahren durch Gewässer. Zugleich hat die Hl. Margareta mit der Kraft des Kreuzes das Böse - den Drachen - besiegt und steht damit auch für die Eigenschaft, sich trotz Gefahren und Verlockungen selbst treu zu bleiben. Das Theaterstück unterstreicht ihre Rolle als regionale Identifikationsfigur und thematisiert gleichzeitig den Sinn des Lebens mit einer spirituellen und Werte schaffenden Komponente. Das Theaterprojekt um das "Margetshöchheimer Gelöbnis" will nicht nur ein Dorfjubiläum der besonderen Art kreieren, sondern die Besonderheit der Historie regional und überregional erlebbar machen und zugleich ein Zeichen für Frieden und Versöhnung setzen. Darüber hinaus setzt es die Geschichte Margetshöchheims (der Ortsname Margetshöchheim geht direkt auf die Hl. Margareta zurück) in einen geschichtlichen, politischen und kirchlich-religiösen Kontext, der erinnerungswürdig ist.
Jeder kann mitmachen - auf der Bühne, hinter der Bühne oder beim Mittelalter-Lager
Carsten Steuwer ist ein renommierter Regisseur und Autor, der sowohl mit Profi- als auch mit Laientheatern arbeitet. Beim ersten Infotreffen in der Margarethenhalle Ende November stellte er den rund 60 Margetshöchheimern im Publikum sein Konzept vor und beantwortete Fragen. Aktuell ist vorgesehen, dass neben den Margetshöchheimern auch 2-3 professionelle Schauspieler auf der Bühne mitwirken; Steuwer erklärte: "Profis im Team sind eine Herausforderung, von der alle sehr profitieren können". Man könne aber auch auf professionelle Schauspieler verzichten, wenn sich genügend Margetshöchheimer und Margetshöchheimerinnen für die verschiedenen Charaktere finden. "Im Prinzip kann jede Rolle von Leuten hier übernommen werden", sagte er. Außerdem sei das Rollenkonzept nicht starr, sondern könne je nach Wünschen und Ideen auch erweitert werden. Wichtig sei nur, dass sich jeder mit seiner Rolle wohlfühle.
Grundsätzlich können an dem Theaterstück Einzelpersonen, Paare oder auch ganze Familien mitwirken. Auf der Bühne braucht es neben den Darstellern für die Haupt- und Nebenrollen auch zahlreiche Komparsen (ohne Sprechrolle), hinter der Bühne braucht es Leute für die Maske, die Kostüme, das Bühnenbild, die Technik, Auf- und Abbau, Logistik und die Organisation. Für das mittelalterliche Lagerleben im Außenbereich braucht es ebenso Protagonisten, etwa Musikanten, Artisten und Gaukler, das Bauernheer, usw. Darüber hinaus soll ein in die Zeit passendes gastronomisches Angebot geschaffen werden. Es werden also jede Menge Menschen aus Margetshöchheim gesucht, die sich mit ihren Ideen und Talenten in das Theaterstück einbringen. Bei dem Infotreffen in der Margarethenhalle haben sich bereits etliche Bürger und Bürgerinnen für eine Mitwirkung angemeldet. Eine ältere Dame bot spontan an, als "spinnende Oma" mit ihrem Spinnrad aufzutreten, eine weitere Bürgerin offerierte eine musikalische Begleitung. "Super, es sind genau solche Ideen, die wir uns für dieses Gemeinschafts-Projekt wünschen", meinte Regisseur Carsten Steuwer. "Es soll sich jeder ermutigt fühlen, auch ohne Schauspielerfahrung", betonte der Regisseur.
"Wir wollen als Dorfgemeinschaft gemeinsam etwas schaffen und uns auch selbst feiern", sagt der Bürgermeister
"Uns ist ganz wichtig, dass wir mit dem Theaterstück gemeinsam etwas schaffen, dass sich die Dorfgemeinschaft einbringt und sich auch selbst ein Stück weit feiert", sagt Bürgermeister Waldemar Brohm über das Theaterprojekt. Das "Margetshöchheimer Gelöbnis" soll bereits 2026 im Rahmen der "mainART Theatertage" aufgeführt werden - die reguläre mainART kann in jenem Jahr nicht stattfinden, weil dann die Mainlände im Altort umgebaut wird. Die Aufführungen dienen als Alternativ-Event. Im eigentlichen Jubiläumsjahr sind weitere Aufführungen geplant.
Das Theaterstück "Margetshöchheimer Gelöbnis" soll 2026 und 2027 jeweils im Mai an drei Wochenenden in der Margarethenhalle aufgeführt werden; die intensiven Proben starten etwa 10 Wochen vorher.
Im Außenbereich soll ein mittelalterliches Lager / Mittelaltermarkt auf die historischen Begebenheiten einstimmen. Als Inspirationsquelle, wie man das "Margetshöchheimer Gelöbnis" gemeinsam auf die Beine stellen und ein mittelalterliches Flair im Ort schaffen kann, nannte Brigitte Laudenbacher vom mainART-Kulturverein etwa die Florian-Geyer-Festspiele in Giebelstadt (https://www.florian-geyer-spiele.de/) und das Theaterstück "Kaiser Karls Gericht" in Greußenheim.

Das "Margetshöchheimer Gelöbnis" wurde 1952 uraufgeführt. Zahlreiche Margetshöchheimer und Margetshöchheimerinnen beteiligten sich damals. Zum 800-jährigen Ortsjubiläum soll das Stück erneut auf die Bühne kommen, als Projekt der ganzen Dorfgemeinschaft. (Grafik: mainART-Kulturverein / Fotos wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rita Oehrlein und Helmut Mürrling)

Um die Margarethenhalle herum soll ein mittelalterliches Lager entstehen, um in die Zeit einzustimmen. (Grafik: mainART-Kulturverein)


