Jahresbericht der Feuerwehr: die Freiwilligen halfen im Schnitt jeden dritten Tag bei einem medizinischen Notfall

Die ehrenamtlichen Helfer der Feuerwehr rückten im vergangenen Jahr durchschnittlich jeden dritten Tag zu einem medizinischen Notfall aus. Allerdings könnte die Mannschaft der Aktiven und auch die Jugend noch Verstärkung brauchen - es fehlen etliche Freiwillige. Für Wassereinsätze muss bald ein neues Boot angeschafft werden.

Bei der diesjährigen Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr im Januar berichtete der Erste Kommandant Matthias Kreiner ausführlich von den Aktivitäten der Ehrenamtlichen. Im Vergleich zu den Vorjahren hat die Zahl der Rettungseinsätze deutlich zugenommen: im Jahr 2020 wurden die sogenannten First Responder der Feuerwehr (auch Helfer vor Ort bzw. HvO oder Ersthelfer genannt) zu 61 medizinischen Notfällen alarmiert, im vergangenen Jahr waren es mit 132 Notfällen etwa doppelt soviele Einsätze. Die First Responder der Feuerwehr leisten im Notfall medizinische Hilfe, das heisst sie übernehmen die Erstversorgung bis zum Eintreffen des Notarztes. Die First Responder machten 2024 insgesamt rund 74 % aller Feuerwehr-Einsätze in Margetshöchheim aus; im Durchschnitt rückten sie jeden dritten Tag zur medizinischen Erstversorgung aus. Wer die 112 wählt, kann in Margetshöchheim also auf schnelle Hilfe durch die engagierten Freiwilligen zählen.

Es fehlen nach wie vor engagierte Ehrenamtliche

Dass die Ehrenamtlichen zu jeder Tages- und Nachtzeit Hilfe leisten, sollte jedoch nicht für selbstverständlich gehalten werden: wie in den Jahren zuvor, ist die Freiwillige Feuerwehr Margetshöchheim immer noch unterbesetzt. "Nach wie vor ist die Mannschaftsstärke gerade untertags ausbaufähig", berichtete Kommandant Matthias Kreiner. Eigentlich sollte die Mannschaft aus 82 Personen bestehen; derzeit hat die Feuerwehr 63 Freiwillige. Das entspricht der Untergrenze, damit die Einsatzfähigkeit zu allen Tages- und Nachtzeiten gewährleistet werden kann. Problematisch ist, dass immer wieder erwachsene Mitglieder wegen dem aktuellen Mangel an Wohnraum oder Bauplätzen aus Margetshöchheim wegziehen und der Wehr dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Denn bei Einsätzen vor Ort darf nur ausrücken, wer hier seinen Wohnsitz oder Arbeitsplatz hat. So schlägt die Krise am Immobilienmarkt auch auf die Freiwillige Feuerwehr durch. Zudem lassen manche Arbeitgeber ihre Mitarbeiter, die bei der Feuerwehr aktiv sind, nicht ausrücken - der Trend könnte sich mit zunehmendem Fachkräftemangel in den Betrieben verschärfen. Im Nachbarort stand die Gemeinde Zell bei ihrer ältesten Freiwilligen Feuerwehr Bayerns in den vergangenen Jahren schon kurz davor, eine Pflichtfeuerwehr ausrufen zu müssen; dann könnten theoretisch alle Einwohner zwischen 18 und 65 Jahren zum Dienst am Nächsten verpflichtet werden. Soweit ist es in Margetshöchheim zum Glück nicht. Trotzdem würde sich die Feuerwehr jederzeit über engagierte Menschen freuen, die bereit sind, einen Teil ihrer Zeit für den Dienst am Nächsten zur Verfügung zu stellen. Schon ab 3 Stunden pro Monat (1 Übung) ist ein sinnvolles und sinnstiftendes Engagement in der Feuerwehr möglich - für Frauen und Männer gleichermaßen. Nähere Infos finden Sie unter https://www.feuerwehr-margetshoechheim.de/mitmachen/

Mittlerweile heißt es immer öfter "Feuerwehrfrau"

Hoffnung mache laut Kommandant Kreiner die Anzahl der Frauen, die inzwischen als Aktive zur Feuerwehr gefunden haben. Die Margetshöchheimer Wehr ist stolz darauf, dass ihr mittlerweile 12 weibliche Mitglieder angehören; angesichts der hohen Frauenquote wurde sie bereits vom Bayerischen Rundfunk porträtiert. Bei Einsätzen und Übungen spiele das Geschlecht überhaupt keine Rolle: "Man hilft zusammen und macht alles gemeinsam. Wir Frauen werden gleichwertig behandelt und sind auf Augenhöhe", sagt die Ehrenvorsitzende Maria Brohm, die vor vielen Jahren als erste Frau zur Margetshöchheimer Feuerwehr kam. Brohm führte über viele Jahre den Feuerwehrverein, bevor Claudia Haupt und Anette Heinrich die Leitung übernahmen. Beim letzten Kameradschaftsabend des Vereins wurden etliche Kameraden für 10-, 25- und 40-jährige Mitgliedschaft geehrt; Thomas Mülhaupt und Andreas Winkler wurden für 30 Jahre Fahnenabordnung ausgezeichnet.

In der Jugendfeuerwehr engagieren sich 13 Jugendliche

In der Jugendfeuerwehr für 12-18-jährige engagieren sich derzeit 13 Heranwachsende. Erfreulicherweise wechselten zwei Jugendliche nach ihrer Volljährigkeit 2024 in den aktiven Dienst über; acht sind ausgeschieden, davon blieben vier der Wehr immerhin als passive Mitglieder erhalten. Gründe für das Ausscheiden der Jugendlichen aus der Margetshöchheimer Wehr sind häufig Studium oder Umzug. Jugendwart Andreas Winkler berichtete, dass es immer schwieriger wird, Jugendliche für den ehrenamtlichen Dienst in der Feuerwehr zu gewinnen. Im vergangenen Jahr konnte sich die Jugendfeuerwehr jedoch über drei Neuzugänge freuen, was die Floriansjünger optimistisch stimmt. 2023 konnte die Jugendfeuerwehr ihr 30-jähriges Jubiläum mit einem großen und gut besuchten Fest an der Margarethenhalle feiern. Die Jugendfeuerwehr sei eine kleine, aber feine Truppe und freue sich jederzeit über Verstärkung, sagt Jugendwart Winkler. Für die Jungen und Mädchen ist ein abwechslungsreiches Programm mit viel Action in einem sinnstiftenden Engagement geboten.

Wer 12 bis 18 Jahre alt ist und Lust hat, das starke Team der Jugendfeuerwehr kennenzulernen oder unverbindlich bei einer Übung mitzumachen, kann Jugendwart Andreas Winkler kontaktieren unter der Tel.: 0179-5056754.

Insgesamt 178 Einsätze im Jahr 2024

Unter den 63 Aktiven Floriansjüngern über 18 Jahre sind derzeit 27 Atemschutzgeräteträger (PA-Träger), die bei der Brandbekämpfung ausrücken. Im vergangenen Jahr mussten die Floriansjünger 8 Brände löschen, was rund 4 % aller Einsätze entspricht. In 35 Fällen rückten die Feuerwehrleute zur Technischen Hilfeleistung aus, was 20 % aller Alarmierungen ausmachte. Die Floriansjünger schützen uns Bürger vor verschiedenen Gefahren - sei es bei Unfällen, lebensbedrohlichen Zuständen oder Naturkatastrophen. Insgesamt kamen im Jahr 2024 für die Freiwillige Feuerwehr 178 Einsätze zusammen - statistisch gesehen also an jedem zweiten Tag eine Hilfeleistung. Dabei erbrachten die Freiwilligen über 1.000 Arbeitsstunden für den Dienst an ihren Mitmenschen. Bei der Generalversammlung dankte Kommandant Matthias Kreiner allen Aktiven für ihren Dienst sowie allen, die die Wehr passiv oder durch Spenden unterstützen. Auch dem Feuerwehrverein, der etwa die Feste ausrichtet, sprach Kreiner seinen Dank aus. Nicht zuletzt dankte der Kommandant der Gemeinde und dem Gemeinderat für das Vertrauen sowie die gute und offene Zusammenarbeit.

Die Fahrzeug-Flotte muss erneuert werden

In den vergangenen Jahren hatte der Gemeinderat immer wieder die Feuerwehr auf der Tagesordnung. Beispielsweise muss in den kommenden Jahren die Fahrzeugflotte erneuert werden mit dem alten Unimog-Tanklöschfahrzeug Bj.1978, dem Sprinter Bj. 2008 und dem Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) Bj. 1995; Ersatz für das HLF ist bereits vom Gemeinderat beschlossen und ausgeschrieben worden: das neue Löschfahrzeug wird rund 500.000 Euro kosten, die Lieferzeit kann laut Hersteller bis zu vier Jahre betragen. Auch das Schlauchboot von 1999 muss dringend erneuert werden. Die Margetshöchheimer Freiwillige Feuerwehr ist eine der ganz wenigen in der Region, die Wasserrettungen durchführen und dafür ausbilden kann. Bei einer Übung wurde das Schlauchboot irreparabel beschädigt; ein Ersatz inklusive Bootstrailer würde rund 90.000 Euro kosten, weil Schlauchboote für Fließgewässer nicht mehr zulässig sind und deshalb ein hochwertigeres Modell angeschafft werden müsste.

Angesichts der knappen Kassen wurde im Gemeinderat ausführlich diskutiert, ob ein neues Boot überhaupt Sinn mache, weil die Wasserrettung keine Pflichtaufgabe der Gemeinde ist - pflichtmäßig rücken DLRG und Wasserwacht aus. Gemeinderat und Feuerwehrmann Andreas Winkler (CSU) verwies jedoch darauf, dass bei der Rettung von Menschen im Wasser jede Minute zähle und das Risiko in Margetshöchheim durch das zugängliche Ufer höher sei als in manch anderer Gemeinde. Zudem gehören für Gemeinden wie Margetshöchheim, die an einer Bundeswasserstraße liegen, die Brandbekämpfung und Hilfeleistung bei Ölschäden zu den Pflichtaufgaben, von daher wäre ein neues Feuerwehr-Boot ohnehin unumgänglich. Bei der Technischen Hilfeleistung würden sich die Gemeinden gegenseitig ergänzen und unterstützen, mit Veitshöchheim werde etwa das Einziehen von Ölschlängeln mit mehreren Booten geübt, so Winkler. Bürgermeister Waldemar Brohm (CSU) betonte, dass es die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr für Pflichteinsätze auf dem Main wieder herzustellen gelte. Der Gemeinderat verständigte sich nach lebhafter Diskussion um einen möglichen Standort für das Boot, die hohen Kosten und eine mögliche Beteiligung umliegender Gemeinden schließlich darauf, das Thema in den nächsten Haushaltsberatungen zu vertiefen.

 

Das Schlauchboot der Feuerwehr ist defekt und muss ersetzt werden. Die Margetshöchheimer Feuerwehr ist eine der wenigen im Landkreis, die Wasserrettungen durchführen und dafür ausbilden kann wie hier im Bild. (Foto: FFW Margetshöchheim)

 

Insgesamt 178 Einsätze führten die Floriansjünger 2024 durch, ein Großteil davon waren medizinische Notfälle. (Grafik: FFW Margetshöchheim)

 

Für Einsätze bei Unfällen, Katastrophen und anderen Unglücken sind die Feuerwehrleute durch gute Ausbildung stets vorbereitet. (Foto: FFW Margetshöchheim)

 

Der Nachwuchs in der Jugendfeuerwehr ist hochmotiviert. (Foto: FFW Margetshöchheim)

 

Andreas Winkler und Thomas Mülhaupt (Mitte) wurden von den Kommandanten Patrick Lindner und Matthias Kreiner sowie den Vorsitzenden des Feuerwehrvereins Claudia Haupt und Anette Heinrich für 30 Jahre Fahnenabordnung geehrt. (Foto: FFW Margetshöchheim)