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Ernte nach Dürresommer: Margetshöchheimer LandwirtInnen ziehen durchwachsene Bilanz

Nach dem außergewöhnlich heißen, trockenen Sommer fällt die Erntebilanz der Margetshöchheimer LandwirtInnen ziemlich durchwachsen aus. Während sich Winzerin Ilonka Scheuring zumindest über qualitativ hochwertige Träubel freuen kann, fällt die Ernte beim Streuobst und einigen Feldfrüchten teils dramatisch schlecht aus.

"Unser Glück war, dass es hier im Juni zwischendurch mal 50 Liter geregnet hat", bringt Ilonka Scheuring vom gleichnamigen Weingut die Bilanz des landwirtschaftlichen Jahres auf den Punkt. Es ist die einhellige Meinung aller Margetshöchheimer LandwirtInnen, die die Redaktion befragt hat. Auch wenn es nach den außergewöhnlich trockenen Monaten in der ersten Jahreshälfte nur der buchstäbliche Tropfen auf den heißen Stein war, hat das ersehnte Nass auf den Feldern zumindest das Schlimmste verhindert. Scheuring bewirtschaftet Weinberge in Margetshöchheim, Thüngersheim, Retzstadt und Stetten. Richtung Zellingen hätten die Stöcke durch die klimatischen Bedingungen "ganz schön in der Schlappe gehangen", berichtet sie. Gerade die Trockenheit während der Blütezeit habe dazu geführt, dass die Stöcke "ähnlich dem Haarausfall beim Menschen" einzelne Beeren abwarfen, um den Rest noch gut versorgen zu können. Mit gezielten Pflegemaßnahmen wie der rechtzeitigen Entblätterung und dem Ausschneiden kurzer Triebe könne man schwierigen Bedingungen im Weinbau entgegenwirken, erklärt die Winzerin. Zudem habe sie das Glück, dass sie zum Großteil ältere Anlagen besitzt. Jungpflanzen reagieren auf klimatische Bedingungen empfindlicher als ältere, gut eingewachsene Weinstöcke. Mit der Erntemenge ist Ilonka Scheuring trotz wahrscheinlicher Einbußen "im Großen und Ganzen zufrieden" und die Qualität der Trauben sei sehr gut. Zudem glaubt sie, dass sich die empfindlicheren Junganlagen durch die aktuell hohen Regenmengen regenieren werden.

Eine so positive Bilanz kann Krischan Cords von der Margetshöchheimer Streuobstgenossenschaft heuer nicht ziehen: "Wegen der Trockenheit sind insbesondere bei den Äpfeln sehr viele Früchte vorzeitig runtergefallen. Zudem haben wir aufgrund der Wärme in den vergangenen Monaten viele Schädlinge." Da die Genossenschaft ausschließlich biologisch wirtschaftet, sind Pestizide tabu. Bei der aktuellen Ernte müsse die Genossenschaft deshalb mit großem Aufwand wurmstichige oder faule Früchte aussortieren. Obst, das teilweise schon vor drei Wochen vom Baum gefallen sei, könne nicht mehr verwendet werden, erklärt Cords. Nur die neu gefallenen Früchte seien noch verwertbar. Dementsprechend gering fällt die heurige Ernte aus: "Wir ernten aufgrund der großen Trockenheit nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was wir vor drei Monaten geschätzt haben." Während die Genossenschaft im vergangenen Jahr 180 Tonnen Obst einbringen konnte, wurden für dieses Jahr 100 Tonnen kalkuliert. Mittlerweile mussten wegen der geringen Erntemengen schon Obstannahmetermine gestrichen werden. Die aktuelle Schätzung geht davon aus, dass die Streuobstgenossenschaft heuer nur 70 Tonnen Obst ernten wird.

Bei den beiden Landwirten Kurt Scheuring und Adolf Oppmann sieht die Bilanz nicht viel besser aus. Sie bewirtschaften in und um Margetshöchheim zahlreiche Flächen, davon rund 30 Hektar im Ortsgebiet. "Die Sommergerste war miserabel. Da gibt es heuer nur die Hälfte", berichtet Kurt Scheuring. Auch der im Herbst angesäte Dinkel sei "nicht so doll" gewachsen und verzeichne mindestens 30% Ernteeinbußen. Nur beim Winterraps hätten die beiden Landwirte eine durchschnittliche Ernte eingefahren.

Durchwachsen ist auch die Bilanz von Landwirt Stefan Oppmann, der in und um Margetshöchheim verschiedene Feldfrüchte anbaut. "In den letzten vier, fünf Jahren kamen wir mit einem blauen Auge davon, aber heuer war der Wassermangel erschreckend", berichtet der Landwirt. Für die im Frühjahr ausgesäten Sommerkulturen habe schlichtweg das Wasser gefehlt, insbesondere zur Blütezeit im Mai bzw. Juni/Juli. "Soja war dieses Jahr ein Fiasko. Wir haben einen Ernteausfall von rund 80%. Das deckt nicht mal die Kosten für das Saatgut", erzählt Oppmann. Auch bei den anderen Sommerkulturen wie Sommergerste und Sonnenblumen sei die Ernte stark eingebrochen. Auf die Sommerkulturen hätten sich die Regenmengen Ende Juni nicht mehr ausgewirkt, sagt er. Neben den Feldern in Margetshöchheim bewirtschaftet Oppmann auch Flächen in umliegenden Gemeinden, beispielsweise in Waldbrunn. Dort habe er teilweise schlechteren Boden (die Bodenqualität von Agrarflächen wird als sogenannte Bonität klassifiziert; Anm. d. Red.), was sich bei schwierigen klimatischen Bedingungen spürbar auf die Feldfrüchte auswirke. In Margetshöchheim wiederum herrsche das Problem, dass der Ort auch im Vergleich zum Umland besonders niederschlagsarm ist. Der einzige Lichtblick für den Landwirt ist, dass die Winterkulturen zufriedenstellend gewachsen sind. Bei Winterweizen, Winterraps und Triticale (Kreuzung aus Roggen und Weizen) habe sich der Wassermangel nicht mehr so stark ausgewirkt. Winterkulturen werden bereits im Herbst angesät. "Die Grundwasserstände im Herbst und Winter waren in Ordnung. Wir hatten Glück, dass der Boden für die Winterkulturen gesättigt war", erläutert Stefan Oppmann. Vor wenigen Wochen hat er bereits den Winterraps ausgesät. Einfacher ist der Anbau von Winterkulturen allerdings nicht wirklich: zum Einen gedeihen auch die Ackerunkräuter in der feuchten Jahreszeit besser, zum anderen können Frostperioden die Ernte gefährden. "Wenn du eine schlechte Ernte einfährst, bist du heutzutage schnell in der Insolvenz", sorgt sich der Landwirt. Er hofft, dass in naher Zukunft Neuzüchtungen auf den Markt kommen, die Trockenheit besser vertragen. "Man muss jetzt perspektivisch gut überlegen, was man anbaut", sagt Stefan Oppmann. Dass der Anbau von Feldfrüchten durch den Klimawandel immer größere Herausforderungen mit sich bringen wird, steht außer Frage. Oppmann würde sich freuen, wenn die Bevölkerung den LandwirtInnen und ihrer anstrengenden Arbeit als auch den erzeugten Lebensmitteln etwas mehr Wertschätzung entgegenbringen würde.