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Trinkwasser: ohnehin hohe Nitratwerte überschreiten teils die kritische Marke von 50 mg/L

Margetshöchheim ist eine der wenigen Gemeinden im Landkreis, die sich noch eine eigene Trinkwasserversorgung leisten. Allerdings hat das Margetshöchheimer Wasser ein Nitratproblem. Unter Anderem durch den geologischen Aufbau des Muschelkalks reichert sich der Stoff hier leicht im Grundwasser an.

Weil Nitrat im menschlichen Körper zum gefährlichen Nitrit oder zu krebserregenden Nitrosaminen umgewandelt werden kann, hat der Gesetzgeber für Trinkwasser Grenzwerte von 50 mg pro Liter festgelegt. Diese wurden in Margetshöchheim in letzter Zeit bereits zwei Mal knapp überschritten, wie Bürgermeister Waldemar Brohm (CSU) auf Nachfrage von Daniela Kircher (SPD) in der letzten Gemeinderatssitzung mitteilte. Der höchste Wert lag bisher bei 52 mg/L.

Wie das Nitratproblem gelöst werden könnte, weiß im Moment niemand so genau. "Unser Werkzeugkasten ist relativ leer, da wir schon viel gemacht haben" erklärte Brohm. Seit vergangenem Jahr hat die Gemeinde mit Peter Etthöfer, Gründer der Margetshöchheimer Mitte (MM), einen versierten Trinkwasserbeauftragten, der sich schon seit Jahrzehnten intensiv mit dem Nitratproblem beschäftigt. Doch den Nitrateintrag ins Margetshöchheimer Grundwasser zu verringern, ist eine schwierige, komplexe und langwierige Angelegenheit.

Als Hauptverursacher für hohe Nitratwerte gilt generell die Landwirtschaft, weil stickstoffhaltige Dünger dem Boden Nitrat zuführen. Das Problem besteht nicht nur in Unterfranken; in vielen Teilen Deutschlands werden die Nitrat-Grenzwerte im Trinkwasser immer wieder überschritten. Bei Grenzwertüberschreitungen wird automatisch das Gesundheitsamt informiert; im schlimmsten Fall kann es dafür sorgen, dass das Trinkwasser nicht mehr in Verkehr gebracht werden darf. Die EU verhängte wegen der mangelnden Wasserqualität bereits Strafzahlungen gegen Deutschland; eine verschärfte Düngemittelverordnung seitens der Politik war die Folge. "Aber die staatlichen Vorgaben sind ziemlich lax", findet Peter Etthöfer, Trinkwasserbeauftragter der Gemeinde. Kommunen können die Vorgaben verschärfen; das hat Margetshöchheim gemacht, etwa für die Wasserschutzzone III zwischen St2300 und dem Gemeindewald. Allerdings habe das Landratsamt das letzte Wort beim Erlass der Vorschriften, und da seien "aus Pflicht- nur noch Sollvorgaben geworden", moniert Etthöfer. So schrumpfte auch die von der Gemeinde vorgesehene Winterbegrünung auf landwirtschaflichen Flächen zum "Soll" und wird laut Etthöfer von einigen Bewirtschaftern nicht eingehalten. Dabei könnten die eingesetzten Pflanzen Stickstoff aus dem Boden binden und so zumindest theoretisch einen Teil der Nitratausschwemmung ins Grundwasser verringern.

"In Margetshöchheim ist der geringe Niederschlag wohl eines der großen Probleme. Wenn der Grundwasserspiegel sinkt, steigen die Nitratwerte" sagt Heiko Lukas vom zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Würzburg. Lukas steht mit Etthöfer und Brohm seit Jahren im Austausch, um das Nitratproblem zu lösen. Doch da "schon an allen Strängen gezogen wird, gibt es nur noch Nuancen", berichtet Lukas. Und witterungsbedingte Jahrespeaks könne man leider nicht steuern. Die Gemeinde habe in Sachen Trinkwasser hervorragende Arbeit geleistet, was vor Allem auch den hartnäckigen Bemühungen von Peter Etthöfer zu verdanken sei. Beispielsweise wurden bestimmte landwirtschaftliche Flächen stillgelegt, es wurden Konzepte mit Landwirten erarbeitet und vieles mehr. Ein Hauptproblem - der geologische Aufbau - lässt sich jedoch nicht verbessern: Hanglagen und Muschelkalk sorgen dafür, dass Nitrat ins Wasser ausgeschwemmt wird. Eventuell könne sich der Nitratgehalt in nächsten Jahren verändern, weil etwa in Greußenheim vor wenigen Jahren großflächig auf ökologische Landwirtschaft umgestellt wurde, sagt Lukas. "Wie sich das auf die Wasserqualität auswirkt, wissen wir aber noch nicht". Andererseits könnten sterbende Waldbäume den Nitrateintrag verschärfen. Ende der 1980er Jahre hätten die Nitratwerte in Margetshöchheim bei über 70 mg/L gelegen, da sei schon viel geschehen, konstatiert Lukas vom AELF. Zudem sei es aufgrund von Geologie, Witterung etc. wohl nicht möglich, die Nitratwerte überhaupt unter 45 mg/L zu drücken. "Wir können nur die gemeinsamen großen Anstrengungen fortführen, aber wir kommen nicht viel besser raus".

Auch Bürgermeister Brohm hatte in der Gemeinderatssitzung keine Lösungen parat. Jetzt soll eruiert werden, ob technische Lösungen in Frage kämen, und wie es um die Kosten und die Machbarkeit an den gegebenen Standorten bestellt ist. Denkbar sei auch, das Margetshöchheimer Trinkwasser mit anderem Wasser mischen zu lassen. Brohm und Etthöfer wollen jetzt gemeinsam Möglichkeiten forcieren und dann zeitnah im Gemeinderat vorstellen.