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Erneute Verzögerungen - der neue Mainsteg wird frühestens im Sommer fertig

So ganz nach Plan läuft es beim Bau des "Höchheimer Mainstegs" nun doch nicht: wie jetzt bekannt wurde, wird die neue Brücke mit einigen Monaten Verzögerung frühestens im Sommer fertig. Damit verschiebt sich auch der Abriss des alten Stegs - "Sie sollen ja nicht ohne Brücke dastehen", sagt das WNA.

Für die Bürgermeister von Margetshöchheim und Veitshöchheim kam die Nachricht über die Bauverzögerungen letzte Woche überraschend. "Ich war verärgert, dass ich als Bauherr über Facebook informiert werde, dass mein Bauwerk nicht rechtzeitig fertig wird", berichtet Bürgermeister Waldemar Brohm auf Nachfrage. Das kam so: am Mittwoch vergangener Woche berichtete der Veitshöchheim Blog über das Steg-Debakel, nachdem der Blog-Verantwortliche den Polier der Baufirma interviewt hatte. Allerdings wurden die Informationen nicht auf journalistisch korrekte Weise bei den zuständigen Behörden wie dem Wasserstraßenneubauamt Aschaffenburg (WNA) verifiziert, sondern ungeprüft veröffentlicht. Auch die Leiterin des WNA, Mareike Bodsch, sieht dieses Vorgehen kritisch. Das WNA informiert die Bürgermeister in regelmäßigen Abständen über die Baumaßnahmen und Kostenentwicklungen bei der neuen Brücke. Seit Baubeginn gab es zwei solcher Informationsgespräche. Das nächste Informationstreffen war bereits seit Längerem für den vergangenen Donnerstag, also einen Tag nach der Veröffentlichung im Veitshöchheim Blog, vorgesehen. So hat sich der Bericht quasi mit dem offiziellen Informationsgespräch überschnitten. Man könne dem WNA vorwerfen, dass es mit dem Gespräch der Bürgermeister eine Woche zu spät dran war und die Abstände zwischen den Informationsterminen zu lang gewesen sind, sagt Bodsch auf Nachfrage.

Fakt ist: der Bau des neuen Mainstegs verzögert sich um mehrere Monate. Ursprünglich sollte er Ende Februar fertig sein und die alte marode Brücke abgerissen werden. Laut Bodsch gibt es dafür "ein Konglomerat" an Gründen. Unter Anderem hätten bereits zu Beginn "enorme Probleme mit dem Baugrund" Schwierigkeiten gemacht. Zum Jahreswechsel kam die Pause der Baufirma dazu und die Witterung sorgte für weitere Verzögerungen. Wie Bürgermeister Waldemar Brohm in der jüngsten Gemeinderatssitzung ausführte, gebe es zwischen dem WNA und der Baufirma Dissonanzen bezüglich der Verarbeitungstemperatur von bestimmten Baumaterialien. Während das technische Merkblatt eine Verarbeitungstemperatur von 5°C vorsieht, hat sich das WNA die Verarbeitung ab 10°C zusichern lassen. Dabei gehe es laut Brohm um größtmögliche Präzision, weil die neue Brücke ohne Teilabschnitte und Dehnungsfugen gefertigt wird; der 122 Meter lange Brückenkörper trifft an den beiden Enden direkt auf die Widerlager.

Nach kurzer Unterbrechung wird am neuen Mainsteg wieder weitergebaut. Für den Überbau werden Fertigteile aus Beton verwendet, die anschließend fugenlos ausgegossen werden. (Foto: Tina Göpfert)

Für Mareike Bodsch vom WNA kommen die Verzögerungen nicht überraschend. Bereits zu Baubeginn hatte sie angemerkt, dass es beim Bau eines so großen Projekts selten nach Plan läuft. Auch dass es während der Bauzeit Änderungen im Bauvertrag geben könne, sei normal. Die aufgetretenen Dissonanzen würden derzeit zwischen den Vertragsparteien (Baufirma und WNA) verhandelt, so Bodsch. Mittlerweile hat die Baufirma ihre Arbeiten nach kurzer Unterbrechung am neuen Mainsteg wieder aufgenommen. Ob die neue Brücke tatsächlich wie erhofft im August fertig wird, hänge allerdings auch von der Witterung ab. Derzeit wird ein neuer Bauzeitplan für den Mainsteg erstellt.

Generell haben Baufirmen aktuell mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen: zum Einen mit Materialknappheit, zum Anderen mit teils enorm gestiegenen Materialkosten. Wie das Münchner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung kürzlich ermittelte, leiden aktuell rund 25% der Hochbau-Firmen unter Versorgungsengpässen. Zudem mangelt es rund einem Drittel der Baufirmen an Fachkräften, berichtet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Und die Materialkosten haben sich insbesondere im Hochbau extrem verteuert: besonders Stahl, Holz und Dämmmaterialien kosten jetzt ein Vielfaches. Für Baufirmen, die bei Ausschreibungen ein Festpreisangebot abgegeben haben, ist die Lage entsprechend problematisch.

Bürgermeister Brohm sieht die Bauverzögerung am Mainsteg entspannt: "Die Gemeinde würde das Projekt natürlich gerne abschließen, aber wir haben keinen Handlungsdruck". Damit rückt auch der Abriss des alten Ludwig-Volk-Stegs weiter in die Ferne: "Sie sollen ja nicht ohne Brücke dastehen", versichert Mareike Bodsch vom Wasserstraßenneubauamt. Aktuell werde geprüft, ob der Rückbau entgegen der bisherigen Auflagen (Oktober-März) auch im Sommer möglich wäre. Wahrscheinlich könnten dann aber nur die Brückenteile an Land abgebrochen werden, sagt Brohm. Die im Wasser stehenden Pfeiler müssten wohl noch bis 2023 stehen bleiben.

Für weitere Information über das Bauwerk siehe auch Blog-Artikel https://www.margetshoechheim-blog.de/politik-gemeinde/baumasnahmen-dorfentwicklung/239-die-pylone-stehen-schon-der-neue-mainsteg-nimmt-gestalt-an