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Baustopp beim Höchheimer Mainsteg! Wie es weitergeht, ist unklar

Schock-Nachrichten für die Höchheimer Gemeinden: Am Höchheimer Mainsteg wird aktuell nicht mehr weitergebaut, weil die Baufirma kurz vor der Fertigstellung den Vertrag gekündigt hat. Das Wasserstraßenneubauamt hat heute eine Pressemitteilung herausgegeben. Wie es weitergehen wird, ist unklar.

Nachdem es gestern eine gemeinsame Krisensitzung des Wasserstraßenneubauamtes Aschaffenburg (WNA) mit den Gemeinden Margetshöchheim und Veitshöchheim gegeben hat, wurde eben folgende Pressemitteilung veröffentlicht:

Neubau Höchheimer Mainsteg

Gemeinsame Pressemitteilung der Gemeinden Margetshöchheim, Veitshöchheim und des Wasserstraßen-Neubauamtes Aschaffenburg

Pressemitteilung vom 02.08.2022

 

Als Ersatz für den Ludwig-Volk-Steg lässt das Wasserstraßen-Neubauamt Aschaffenburg in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Margetshöchheim und Veitshöchheim den neuen Höchheimer Mainsteg in Form einer rückverankerten Hängebrücke errichten. Die bauausführende Firma Adolf Lupp GmbH hat den Bauvertrag nunmehr einseitig gekündigt.

 

Das Wasserstraßen-Neubauamt Aschaffenburg beauftragte im Ergebnis der öffentlichen Ausschreibung im August 2020 die Firma Adolf Lupp GmbH + Co KG mit dem Neubau des Höchheimer Mainsteges.

Der Bund und die Gemeinden teilen sich die Baukosten anteilig.

Die Firma Adolf Lupp GmbH + Co KG hat den Bauvertrag nunmehr einseitig gekündigt. Begründet wird dies mit vertraglichen Differenzen zu Nachtragsforderungen und Abrechnungsthemen.

Das WNA Aschaffenburg stuft die einseitige Kündigung als unberechtigt ein und hat den Auftragnehmer zur Wiederaufnahme der Tätigkeiten aufgefordert.

Aussagen zum weiteren zeitlichen Verlauf der Maßnahme können aktuell noch nicht getroffen werden.

Keiner weiß, wie es weitergehen wird

Wie Amtsleiterin Mareike Bodsch vom Wasserstraßenneubauamt auf Nachfrage mitteilt, können derzeit noch keine Aussagen darüber getroffen werden, wie es mit dem Stegbau weitergehen wird. Zudem könnten öffentliche vertragliche Details den Einigungsprozeß erschweren, so Bodsch. Aktuell sei der Baufirma Lupp eine angemessene Nachfrist für die Wiederaufnahme der Bautätigkeit gestellt worden, die es nun abzuwarten gelte. "Es wird etwas Zeit kosten, aber es wird weitergehen", versichert Bodsch: "Wir werden als WNA die Maßnahme weiterbearbeiten und die Brücke fertigstellen". Der neue Mainsteg steht kurz vor der Fertigstellung, es fehlen beispielsweise noch der Spezialbelag am Überbau der Brücke, die Handläufe mit der integrierten Beleuchtung oder die Montage des fertiggestellten Treppenturms auf der Veitshöchheimer Seite. Wenn die nächsten Schritte im Einigungsprozeß mit der Baufirma "aktiv abgearbeitet" seien, werde das WNA umgehend informieren, sagt die Amtsleiterin. Für Bürgermeister Waldemar Brohm kam die Nachricht über den unerwarteten Baustopp kurz vor der Fertigstellung des neuen Mainstegs einem Schock gleich. "Momentan haben wir in der Gemeinde keine einzige Baustelle, die funktioniert", fügt er frustriert hinzu. Und: "Was die angeblich unwirksame Kündigung der Baufirma angeht, stehe ich der Aussage des WNA eher skeptisch gegenüber. Wir haben das ja schonmal erlebt mit einer angeblich unwirksamen Kündigung - bei der Kinderkrippe." Die Gemeinde werde als Bauherrin der neuen Brücke auf jeden Fall Kontakt mit der Regierung von Unterfranken aufnehmen, damit sie nicht auch noch Gefahr läuft, die hohen Fördermittel zu verlieren.

Beim Streit zwischen WNA und Baufirma geht es vor Allem ums Geld

Während das WNA die einseitige Kündigung der Baufirma Adolf Lupp GmbH als unwirksam betrachtet, sieht sich die Baufirma zu der drastischen Maßnahme berechtigt. Auf die Nachfrage bei der Lupp GmbH, warum der Brücken-Neubau so kurz vor der Fertigstellung eingestellt wurde, berichtet die Bauleiterin Lisa Rieke, dass ihre Firma die Verträge gekündigt habe, weil Rechnungen nicht bezahlt worden seien. "Die Konsequenz ist, dass wir nicht noch zwei Monate Geld investieren wollen, das wir nicht zurückbekommen." Es sei viel vorgefallen, sagt sie. Deshalb habe der Anwalt der Firma in letzter Konsequenz die Kündigung empfohlen. Ober-Bauleiter Pascal Haus von der Lupp GmbH betont, die Baufirma habe etliche Versuche unternommen, sich mit dem WNA zu einigen, die jedoch alle gescheitert seien. Da es um Rechnungen über mehr als 2 Mio. Euro netto gehe, könne sich aber auch eine große Baufirma wie Lupp den Zahlungsausstand nicht leisten. "Für uns ist das traurig, weil es ein schönes Projekt ist und ein schöner Bau. Und für die Gemeinden tut es uns sehr leid", meint Haus. Für die Lupp GmbH war es die erste Zusammenarbeit mit dem WNA Aschaffenburg und nach Aussage der Bauleiter "sicher auch die letzte". Ob sich die beiden Parteien während der jetzt gesetzten Nachfrist noch einigen werden, ist nach Aussage der Baufirma momentan eher unwahrscheinlich. Wie es mit dem Brückenbau weitergehen würde, wenn sich das Amt und die Baufirma vor Gericht über ihre gegensätzlichen Auffassungen über die Kündigung streiten müssen, auch.

Die Gemeinden können nur hoffen, dass es mit der Fertigstellung des Höchheimer Mainstegs tatsächlich wie vom WNA angekündigt weitergehen wird. "Am 13. September wissen wir mehr", sagt Brohm. An dem Tag findet eine Informationsveranstaltung zum Neubau Mainsteg mit den GemeinderätInnen von Veitshöchheim und Margetshöchheim und dem Wasserstraßenneubauamt in den Mainfrankensälen statt.

 

Wann die neue Brücke fertiggestellt wird, ist unklar. Es fehlen nur noch ein paar "Kleinigkeiten" wie der Oberbelag und die Handläufe. (Foto: Tina Göpfert)