Die Vertiefte Berufsorientierung (VBO) ist ein Erfolgsmodell an der Margetshöchheimer Mittelschule, dank der alle Schulabgänger in Ausbildungen vermittelt werden konnten. Nun hat der Landkreis wegen dramatischer Geldnot die Zuschüsse dafür gekürzt. Der Gemeinderat entschied trotz knapper Kassen, dass die Gemeinde künftig die Co-Finanzierung übernimmt.
Der Landkreis Würzburg leidet an dramatischer Geldnot und und unternimmt zahlreiche Einsparungen, um einen ausgeglichenen Haushalt hinzubekommen. "Wir müssen jetzt schauen, was wir uns jährlich noch leisten können", kündigte Landrat Thomas Eberth bereits bei den Vorberatungen im März an. Demzufolge waren harte politische Entscheidungen zu erwarten. Ausführliche Informationen darüber finden Sie in einem älteren Blog-Bericht unter https://www.margetshoechheim-blog.de/politik-gemeinde/gemeinde-gemeinderat/999-dramatische-geldnot-im-landkreis-w%C3%BCrzburg-b%C3%BCrger-m%C3%BCssen-sich-auf-einschnitte-einstellen?highlight=WyJsYW5ka3JlaXMiXQ==. Der Kreistag hat in der Folge beschlossen, die Finanzierung der sogenannten Vertieften Berufsorientierung (VBO) zu kürzen. Bisher hat der Landkreis die Kosten vollständig übernommen, ab dem kommenden Schuljahr 2025 / 26 werden jetzt auch die Schulverbände anteilig zur Kasse gebeten. Der Margetshöchheimer Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung einstimmig dafür votiert, dass die Gemeinde Margetshöchheim die geforderte Co-Finanzierung übernimmt.
Intensive Betreuung für einen gelungenen Berufseinstieg
Bei der Vertieften Berufsorientierung werden die Schüler der Vorabgangs- und Abgangsklassen (8. und 9. Klasse) an der Mittelschule intensiv und individuell von einer sogenannten Übergangsmanagerin der Würzburger Handwerkskammer Service GmbH betreut. Für die Mittelschule Margetshöchheim ist Carolin Dix-Landgraf zuständig. Sie berät und unterstützt die jungen Menschen auf ihrem Weg ins Berufsleben an drei Tagen in der Woche im Schulgebäude. Dix-Landgraf versucht herauszufinden, für welchen Beruf die Schülerinnen und Schüler geeignet sind, unterstützt bei der Suche nach Praktikums- und Ausbildungsstellen und organisiert Veranstaltungen zur Berufsorientierung oder Firmenbesuche. Durch sinnvoll abgestimmte Praktika können die jungen Menschen in den Betrieben verschiedene Arbeitsbereiche und ein breites Spektrum an beruflichen Tätigkeiten kennenlernen und frühzeitig Kontakt zu Ausbildungsbetrieben aufbauen. Was sind meine Fähigkeiten? Wie kann es nach der Schule weitergehen? Wie erstelle ich ein Bewerbungsanschreiben? All das sind Fragen, die die Übergangsmanagerin mit den Jugendlichen zusammen erörtert, um einen gelungenen Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.
Dabei ist die Vertiefte Berufsorientierung ein echtes Erfolgsmodell an der Margetshöchheimer Mittelschule. In den vergangenen Jahren konnten dank der intensiven Betreuung alle hiesigen Schulabgänger in berufliche Ausbildungen oder weiterführende Schulen vermittelt werden. Ein begleiteter und gelingender Einstieg ins Berufsleben erscheint heutzutage umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass in Deutschland rund 3 Millionen Menschen unter 35 Jahren weder einen Ausbildungs- noch einen Studienabschluss haben und damit auf dem wichtigen Fachkräftemarkt fehlen.
Die Schule und die Eltern wollen das Modell unbedingt beibehalten
Gemeinderätin Christine Haupt-Kreutzer von der SPD / UB erklärte im Gremium, dass die Schulleiter, die Lehrkräfte und die Elternbeiräte "dringend darum gebeten" hatten, die Vertiefte Berufsorientierung an der Margetshöchheimer Schule beizubehalten. Der Gemeinde-Zuschuss sei "ein Kleckerlesbetrag" wenn er verhindere, dass die Jugendlichen auf einen falschen Weg geraten, sagte sie. Haupt-Kreutzer gehört zu den Gründungsmitgliedern des Fördervereins für Kinder und Jugendliche, der die Mittags- und Hausaufgabenbetreuung an der Schule organisiert und heuer 25-jähriges Jubiläum feiert. Gemeinderat Marco Herbert aus derselben Fraktion berichtete aus seiner 30-jährigen Erfahrung als Berufsberater, dass das eine gute und wichtige Sache sei.
Am Ende stimmte der Gemeinderat einstimmig zu, dass die Gemeinde Margetshöchheim die Co-Finanzierung für das Schuljahr 2025 / 26 übernimmt. Der Kostenanteil beträgt 50 Euro pro Schüler. Dem Gremium lagen in der Sitzung nur die Gesamt-Schülerzahlen vor, dementsprechend waren die angegebenen Kosten von rund 5.700 Euro deutlich zu hoch angesetzt, denn die Vertiefte Berufsorientierung gibt es nur für die Mittelschüler. Derzeit sind laut Verwaltung 113 Schüler und Schülerinnen an der Mittelschule; sie stammen aus den Schulverbandsgemeinden Margetshöchheim (14), Erlabrunn (13), Leinach (41) und Zell (45). Demnach kommen auf die Gemeinde Margetshöchheim bei 14 Schülern Kosten von rund 700 Euro zu. In den anderen Gemeinden des Margetshöchheimer Schulverbands steht die Zustimmung zur Co-Finanzierung teilweise noch aus. Nach den Entscheidungen der jeweiligen Gemeindegremien wird über die Beteiligung an der Vertieften Berufsorientierung noch in einer Sitzung des Schulverbands mit den Verbandsräten aus den vier Gemeinden Margetshöchheim, Erlabrunn, Leinach und Zell als Ganzes entschieden.
Der Landkreis Würzburg möchte generell aus der Vertieften Berufsorientierung aussteigen und stattdessen das Pflichtprogramm der Agentur für Arbeit in Anspruch nehmen. Die Agentur bietet Module zur Berufsorientierung an und entsendet dafür Referenten an die Schulen. Eine individuelle und engmaschige Betreuung wie bei der Vertieften Berufsorientierung durch die Handwerkskammer wäre damit dann nicht mehr gegeben. Das jüngst beschlossene Modell der Co-Finanzierung gilt deshalb vorläufig nur für das kommende Schuljahr 2025 / 26. Im Landkreis Würzburg wird die Vertiefte Berufsorientierung derzeit an sechs Schulen angeboten, alle anderen Einrichtungen nehmen die Module der Arbeitsagentur in Anspruch. Christine Haupt-Kreutzer meint, dass die Kooperation mit der Handwerkskammer Service GmbH durch ihren Erfolg irgendwann vielleicht Modellcharakter für die Region bekommen könnte.

