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Gemeinde-Finanzen: trotz hoher Einnahmen sind Kredite und "sparsamstes Wirtschaften" nötig

In der Gemeinde Margetshöchheim liegen heuer rund 15,7 Millionen Euro im Topf - was nach viel klingt, ist angesichts der anstehenden Aufgaben und verschärften Bedingungen aber alles andere als üppig. Kämmerer Bruno Hartmann mahnt zu "sparsamstem Wirtschaften". Erstmals seit Jahren muss auch wieder ein größerer Kredit aufgenommen werden.

Mit Zahlen zu jonglieren, mag langweilig erscheinen, dennoch ist der Haushalt nach den Worten von Bürgermeister Waldemar Brohm "die politische Willenserklärung für die Weiterentwicklung unserer Gemeinde". Schließlich bilden die Finanzen die Grundlage für das Wirken und Handeln des Gemeinderates in den kommenden Jahren. Auf den ersten Blick scheinen die Summen üppig: im Verwaltungshaushalt liegen 6,7 Millionen Euro, im Vermögenshaushalt rund 9 Millionen. Insgesamt hat die Gemeinde etwa 15,7 Millionen Euro zur Verfügung. Die wichtigsten Einnahmequellen sind neben den angezapften Rücklagen (1,165 Mio.) und den Schlüsselzuweisungen vom Freistaat (875.000) die Einkommenssteuer mit 2,4 Mio. Euro, die Grundsteuer (300.000) sowie die Gewerbesteuer mit circa 600.000 Euro. "Die Gewerbesteuer entwickelt sich für die Gemeinde außerordentlich gut", freute sich der Kämmerer.

Was sich dagegen außerordentlich schlecht entwickelt, sind die Umstände für die anstehenden Großprojekte. "Die politische Großwetterlage, die ständig steigenden Rohstoffkosten, angespannte Lieferbedingungen und fehlende Fachkräfte haben die Rahmenbedingungen weiter verschärft", resümierte Brohm. Auch in diesem Jahr stünden wieder große und wichtige Investitonen in die Zukunft der Gemeinde an, die "die Infrastruktur weiter stärken" und "die Lebens- und Aufenthaltsqualität in Margetshöchheim wesentlich erhöhen", so Brohm. Zu den kostenintensivsten Projekten gehören im Haushaltsjahr 2022 der neue Steg mit 4,1 Mio. Euro, die Kindertagesstätte (KiTa und Krippe) mit ca. 800.000 Euro, der Ausbau der Mainlände mit rund 500.000 Euro, die Erneuerung der Wasserleitung in der Frankenstraße mit 230.000 Euro oder der neue Gehweg in der Würzburger Straße mit rund 270.000 Euro. Rund 200.000 Euro wird der Stromanschluss für die neue Gaststätte in der Mainstraße kosten, der aus technischen Gründen von der Gartenstraße gezogen werden muss. Die Gemeinde beteiligt sich, weil sie die Ansiedlung der Gaststätte im Altort ausdrücklich begrüßt. Im Haushalt eingestellt ist außerdem der Erwerb des Klostergeländes von der Diözese Würzburg mit 220.000 Euro. Wie Brohm in der Sitzung ausführte, soll der Kauf "hoffentlich noch in diesem Jahr" realisiert werden.

Erstmals seit vielen Jahren muss die Gemeinde wieder größere Darlehen aufnehmen: heuer sollen 3 Millionen Euro Kredit aufgenommen werden; für 2024 ist ein Darlehen von 1 Million Euro geplant. Allerdings könnten für den Schulverband noch rund 4 Millionen Euro dazukommen: Bürgermeister Brohm, zugleich Vorsitzender des Schulverbands, informierte die GemeinderätInnen am Ende der Sitzung, dass der Kredit eigentlich erst für nächstes Jahr vorgesehen sei, aufgrund der aktuellen Entwicklungen aber über eine vorzeitige Kreditaufnahme nachgedacht werden sollte. Wie Kämmerer Hartmann ausführte, habe sich der Zinssatz seit Januar bereits von 0,6% auf 1,14% fast verdoppelt. Zudem erwarten führende Ökonomen für dieses Jahr steigende Zinssätze bei der Europäischen Zentralbank - Kredite verteuern sich wohl weiter. Die Gemeinderäte waren sich einig, dass das Darlehen möglichst schnell aufgenommen und eine möglichst lange Abrufzeit vereinbart werden soll. Die Kämmerei kümmert sich zeitnah darum.

Die finanzielle Lage der Gemeinde sei nicht dramatisch, aber man müsse besonnen vorgehen, um die finanzintensiven nächsten Jahre gut zu überstehen, meinte Brohm. Trotz der Herausforderungen seien die anstehenden Vorhaben notwendig. Die Fraktionen stimmten dem Haushaltsplan einhellig zu. Er sei solide konzipert und habe genügend Finanzspanne, meinte etwa Gerhard von Hinten von der Margetshöchheimer Mitte. Laut Lukas Götz von der CSU sei es beachtlich, dass die Gemeinde bisher so vieles realisieren konnte, ohne groß Schulden zu machen - etwa den Parkplatz Ludwigstraße oder die Sanierung der Margarethenhalle. Gleichzeitig mahnte er aber an, die vielen kleineren Posten im Haushalt nicht zu übersehen. Auch Stefan Herbert von der SPD/UB-Fraktion erinnerte an die neue Maßgabe, dass bei den anstehenden Ausgaben auf die Waage gelegt werden müsse, ob "wir uns das leisten können und müssen". Einig waren sich die GemeinderätInnen auch in dem Wunsch, dass sich die politische Großwetterlage hoffentlich bald wieder beruhigen möge. Gemeinderat Lukas Götz drückte es so aus: "Im Vergleich zur Ukraine sind unsere Sorgen belanglos".