Wassergebühren steigen zum 1. Januar 2025 teils drastisch an - schuld sind Investitionen in die Wasserversorgung

Trinkwasser hat für die Gemeinde Margetshöchheim eine besondere Bedeutung, denn sie ist eine der wenigen, die sich noch eine eigene Trinkwasserversorgung leistet. Wegen hoher Investitionen in die Wasserversorgung werden die Kosten ab 1. Januar 2025 teils drastisch steigen. Der Gemeinde sind bei der Preisgestaltung die Hände gebunden.

Im Sommer 2023 konnte Margetshöchheim stolze 100 Jahre eigene Trinkwasserversorgung feiern. Das eigene Leitungsnetz hat das Leben in der Gemeinde ab 1923 revolutioniert, die unabhängige Versorgung mit dem kostbaren Nass ist bis heute Gold wert. Für die Margetshöchheimer ist Wasser allerdings nicht nur ein kostbares, sondern zunehmend auch ein kostspieliges Gut. Zum 1. Januar 2025 werden die Gebühren teils drastisch steigen: Wasser kostet dann netto statt bisher 2,02 € pro Kubikmeter satte 3,37 € und auch die Kosten für Schmutzwasser ("Kanalgebühren") steigen leicht an von 2,40 € auf 2,47 € pro Kubikmeter. Lediglich die Gebühr für Niederschlagswasser sinkt um 1 Cent auf 0,31 € pro Quadratmeter. Die Grundgebühren bleiben unverändert.

Kosten müssen per Gesetz über die Gebühren refinanziert werden

Der Gemeinde sind bei der Preisgestaltung die Hände gebunden, denn Wasser und Abwasser müssen laut Gesetz kostendeckend betrieben werden. Sprich: die Gemeinde darf mit der Wasser- und Abwasserversorgung weder einen Gewinn noch ein Defizit erwirtschaften. Das funktioniert derzeit allerdings nicht, denn laut den Zahlen aus der Bürgerversammlung im November 2024 schreibt die Gemeinde Margetshöchheim aktuell sowohl im Verwaltungshaushalt als auch im Vermögenshaushalt bei der Wasserversorgung ein Defizit von insgesamt rund 320.000 Euro. Schuld sind die hohen Investitionen in das veraltete Leitungsnetz: Pumpen, Hochbehälter und Straßen wie die Frankenstraße mussten bzw. müssen umfassend saniert werden, um Margetshöchheims Trinkwasserversorgung leistungsfähig zu halten. Die Gemeinde muss diese Ausgaben über die Gebühren wieder reinholen. Der Wasserhaushalt ist ein eigenständiger Posten im Gesamthaushalt und wird alle vier Jahre neu berechnet. In den Haushalt für Wasser und Kanal fallen alle Kosten für die laufende Versorgung mit Trinkwasser, wie zum Beispiel Ausgaben für Messungen oder Ähnliches, sowie Baumaßnahmen zur Ertüchtigung der Wasserversorgung. Dazu gehören zum Beispiel die letzten Durchschnittswerte an Rohrbrüchen oder Abschreibungen von Investitionskosten. Hier schlägt z.B. allein die aufwändige Sanierung der Frankenstraße mit rund 1 Million Euro zu Buche, dazu kommen weitere 120.000 Euro für die Erneuerung der Pumpen in der Sandflur. Solche Investitionen werden über 25 Jahre linear abgeschrieben; das heißt, es wird über den gesamten Zeitraum jährlich ein Fünfundzwanzigstel der Investitionskosten im Haushalt eingestellt und das muss über die Gebühren wieder eingenommen werden, weil die Wasserversorgung per Gesetz kostendeckend betrieben werden muss.

Margetshöchheim ist nicht allein "im Tal der Tränen"

Mit steigenden Wassergebühren ist die Gemeinde Margetshöchheim nicht allein "im Tal der Tränen", wie Bürgermeister Brohm aufzeigte. Er verlas die Wassergebühren von Gemeinden mit Eigenwasserversorgung aus dem Umland, so verlangt Leinach beispielsweise schon 3,87 € und Waldbüttelbrunn satte 4,14 € pro Kubikmeter. Je mehr eine Gemeinde in die Versorgung investiert oder investieren muss, desto teurer werden die Gebühren. Gemeinderat Simon Haupt von der CSU meinte: "Die Investitionen waren da, wir haben sie alle beschlossen, und das ist die logische Folge." Zweiter Bürgermeister Norbert Götz (CSU) sagte, die einzige Alternative wäre eine Investitionsumlage, aber die mache "auch keine Freude". Der Gemeinde falle hier ein Stück weit auf die Füße, dass die Straßenausbaubeiträge abgeschafft wurden, meinte Brohm. Er kündigte an, dass man sich im Zuge der nächsten Haushaltsberatungen vermutlich auch mit den Friedhofsgebühren beschäftigen müsse.

Am Ende stimmte der Gemeinderat einstimmig für die Erhöhung der Wasser- und Abwassergebühren. Diskussionen gab es im Gremium noch über die Anhebung des kalkulatorischen Zinssatzes von 2 % auf 3 %. Bürgermeister Waldemar Brohm erklärte die Hintergründe: "Wir müssen die Investitionen in unsere Wasserversorgung so abrechnen, als hätten wir dafür einen Kredit aufgenommen. Da die Zinsen steigen, müssen wir anpassen." Weil der Wert der Versorgungsanlagen durch Sanierungen bzw. Ertüchtigungen steigt, werde deren Wert wie Kapital gerechnet, das die Gemeinde am Markt per Kredit beschafft hat, erklärte Brohm. Das Gremium stimmte der Erhöhung des kalkulatorischen Zinssatzes auf 3 % ebenfalls einstimmig zu.


Die Wasser- und Abwassergebühren in Margetshöchheim steigen zum 1. Januar 2025 teilweise erheblich an:

Nachzulesen auf der Homepage der Gemeinde unter https://www.margetshoechheim.de/buergerservice-politik/services/steuern-und-gebuehren

 

Wasser ist ein kostbares und zunehmend kostspieliges Gut. Um die Versorgung am Laufen zu halten, nimmt Margetshöchheim viel Geld in die Hand. (Foto: Tina Göpfert)

 

Ab 01.01.2021 bis
31.12.2024

Wasser:

2,02 € / m ³
Grundgeb. 18,--/Jahr
1,50 Monat

Schmutzwasser:

2,40 € / m³
Grundgeb. 30,--/Jahr
2,50 Monat

Niederschlagswasser:

0,32 € /qm

Ab 01.01.2025

3,37 € / m ³ (zzgl. 7% MwSt)
Grundgeb. 18,--/Jahr
1,50 Monat

2,47 € / m³
Grundgeb. 30,--/Jahr
2,50 Monat

0,31 € /qm