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Nach über 30 Dienstjahren: Verwaltungsleiter Roger Horn wurde in den Ruhestand verabschiedet

Nach fast 31 ereignisreichen Dienstjahren in der Gemeinde Margetshöchheim nahm Verwaltungsleiter Roger Horn kürzlich an seiner letzten Gemeinderatssitzung teil. Es war ein Abschied "mit einem lachenden und einem weinenden Auge", wie er sagte. Die Fraktionen dankten ihm reihum für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Jetzt führt sein Nachfolger Marcel Holstein als vermutlich jüngster Verwaltungschef Deutschlands die Gemeinde.

Für Roger Horn war die Verabschiedung in den wohlverdienten Ruhestand (bzw. die Freistellungsphase  - Pensionär wird er erst 2023) ziemlich unwirklich, als er seiner letzten Sitzung am 14. Dezember beiwohnte und von den GemeinderätInnen mit emotionalen Worten verabschiedet wurde. Seit Februar 1991, also über 30 Jahre lang, hat er die Kommunalverwaltung geleitet - ein, wie er sagte, erlebnisreiches und vielfältiges Amt, bei dem man eigentlich nie auslerne. Bevor er sich als Verwaltungsleiter in Margetshöchheim beworben hatte, war Horn bei der Bundeswehr für die Weiterbildung verantwortlich gewesen. Im nächsten Frühjahr kann er auf insgesamt 40 Jahre Beamtendienst zurückblicken.

"Für mich beginnt ein neuer Lebensabschnitt, ein Abschied von meinen lieb gewonnenen Mitarbeitern, von Projekten, die mir ans Herz gewachsen waren", sagte Horn in seiner Dankesrede vor dem Gemeinderat. "Ich habe es der Verwaltungsgemeinschaft, insbesondere der Gemeinde Margetshöchheim und somit in erster Linie auch Ihnen (den GemeinderätInnen; Anm. d. Red.) zu verdanken, dass ich hier so lange arbeiten, reifen und mich entwickeln durfte. Sie haben mir das notwenige Vertrauen geschenkt und somit die für diese Arbeit nötige Wertschätzung." Dass Horn mit seiner souveränen und sachlichen Arbeit in der Gemeinde wertgeschätzt wurde, kam in den emotionalen Reden des Bürgermeisters und der Fraktionen zum Ausdruck. Bürgermeister Waldemar Brohm kann auf 13 Jahre Zusammenarbeit mit Roger Horn zurückblicken und würdigte den ehemaligen Verwaltungsleiter als Person "mit wahnsinnigem Fachwissen, Loyalität und Ruhe und ruhigem Fahrwasser auch bei emotionalen Ausbrüchen". "Es war immer wohltuend, Sie an der Seite zu wissen", sagte Brohm. Horn habe immer an der Seite Margetshöchheims gestanden und als Verwaltungsleiter, der Beschlüsse in die Realität umsetzen musste, sehr viele Dinge angeschoben. Über seine Arbeit in der Gemeinde berichtete Horn: "Wenn ich z.B. den Altort vor 30 Jahren und heute sehe, freue ich mich über den deutlich sichtbaren Erfolg". Auch die Fraktionsvorsitzenden von CSU, MM und SPD würdigten Roger Horn durchweg als kompetenten, kooperativen und engagierten Verwaltungsleiter, der den GemeinderätInnen stets mit Rat und Tat zur Seite stand.

Damit er das Gartendorf am Main nicht vergisst, bekam Roger Horn (rechts) zum Abschied Produkte der Streuobst-Genossenschaft von der CSU-Fraktion. Links: Simon Haupt und Lukas Götz. (Foto: Tina Göpfert)

Viele bezeichneten Horn als "ruhenden Pol" und "Fels in der Brandung", der auch bei hitzigen Debatten einen kühlen Kopf bewahrte. Nach Horns Aussage gab es durchaus "ereignisreiche Jahre und oftmals herausfordernde Zeiten und Sitzungen". Dass es unterschiedliche Meinungen und teils echte Konflikte gab, gehöre aber zum Wesensbestandteil der Demokratie. Horn habe in diesen Zeiten gelernt, dass es gelingen kann, auch unbequeme und gegensätzliche Perspektiven zu verstehen, wenn die ersten Emotionen verflogen sind und man sich bemüht, sagte er. Als teilweise aufreibend empfand er allerdings Diskussionen, "die zwar äußerlich auf Sachebene geführt wurden, deren Ursprung aber der unsichtbaren Beziehungsebene, also persönlichen Interessen, Einstellungen oder politischen Absichten zuzuschreiben waren." Oder wie Horn wissenschaftlich erläuterte: "Nach dem sogenannten „Eisbergmodell“ werden 80 % der Kommunikation durch Gefühle, Wertvorstellungen und Motive bestimmt, nur 20 % sind faktenbasiert." "Ich denke aber, wir haben das Ganze, d.h. die Kommunalpolitik zum Wohle der Gemeinde Margetshöchheim und seinen Bürgern ganz gut hinbekommen" resümierte der ehemalige Amtschef. Dem konnten die Gemeinderatsmitglieder nur zustimmen.

Neuer Verwaltungsleiter ist jetzt Marcel Holstein, mit seinen 21 Jahren wahrscheinlich der jüngste Amtschef in ganz Deutschland. Im Oktober hat er seine Abschlussprüfung zum Diplom-Verwaltungsfachwirt für den gehobenen öffentlichen Dienst erfolgreich bestanden; in der Gemeinde wurde Holstein seit Juli bereits gründlich in seine Aufgaben eingearbeitet. Laut Horn ist Holstein "super vorbereitet". Sollte es dennoch Fragen oder Schwierigkeiten geben, kann er sich auf die Hilfe seines Amtsvorgängers verlassen: "Wenn mein Rat gebraucht wird, komme ich gerne vorbei und helfe", sagte Roger Horn bei seiner Verabschiedung.