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Das Infoblatt der Gemeinde soll umweltfreundlicher werden - aber wie?

Über 100.000 Papierseiten werden jeden Monat für das gemeinsame Mitteilungsblatt der Gemeinden Margetshöchheim und Erlabrunn verbraucht. Es soll jetzt umweltfreundlicher werden. Wie Ressourcen eingespart werden könnten, ist aber deutlich komplizierter als gedacht. Denn das naheliegendste, die Umstellung auf Recyclingpapier, sei nicht machbar, berichtete der Druckservice.

Deutschland ist Spitzenreiter im weltweiten Papierverbrauch, allein im vergangenen Jahr wurden ganze 19 Millionen Tonnen Papier benutzt. Durchschnittlich waren das 227 Kilo pro Kopf, davon alleine 81 Kilogramm an grafischen Papieren. Auch für das Infoblatt der Verwaltungsgemeinschaft (VG) mit einer monatlichen Auflage von 2.500 Stück (1.600 in Margetshöchheim und 900 in Erlabrunn) wird jede Menge Papier verbraucht. Bei 50 Informationsseiten kommen so alleine in den beiden Gemeinden jeden Monat 125.000 DinA4-Seiten zusammen. Ende September beriet die VG in ihrer Versammlung darüber, wie das "Blättle" umweltfreundlicher werden könnte. Denn es wird bisher auf Normalpapier aus frischem Zellstoff gedruckt, für den zahlreiche Bäume gefällt werden müssen. Der Erlabrunner Gemeinderat hatte deshalb angeregt, künftig auf Recyclingpapier umzustellen.

Diese Lösung scheint naheliegend, ist aber nicht möglich - das berichtete Gerhard Scheumann von der Margetshöchheimer Firma Vereins-Druck-Service, die das Blättle herstellt. Das liege an der Bauart der Druckmaschinen, die Scheumann und andere Produzenten im Landkreis verwenden. Im Gegensatz zu großen Offset-Maschinen, die Papierbögen flach ausgeben und auch mit Recyclingpapier drucken können, sei das bei seinen Drucksystemen, die das Papier gleichzeitig auch falzen und zu einem fertigen Heft klammern, nicht möglich. Zum einen mache die dünnere Papierqualität Probleme: "Recyclingpapier ist labberiger, wellt sich beim Falzen und funktioniert in meiner Maschine nicht", berichtete Scheumann über eigene Versuche. Zudem würden alle namhaften Druckmaschinen-Hersteller dringend von der Verwendung von Recyclingpapier abraten, weil sich durch verstärkten Abrieb der Wartungsaufwand an den teuren Geräten erhöhe. Scheumann hat vor Kurzem zwei gebrauchte Druckmaschinen neu angeschafft, die selbst Second Hand jeweils einen unteren fünfstelligen Betrag kosten. Die Maschinen werden alle zwei Jahre ausgetauscht; eine Anregung in der VG war, beim nächsten Maschinenwechsel auf Modelle umzusteigen, die Recyclingpapier verarbeiten können. Scheumann hält es aufgrund der Bauart der Druckmaschinen jedoch für unwahrscheinlich, dass das möglich wäre. Ein weiteres Problem sei der nötige Weißanteil, damit Bilder abgedruckt werden können; dafür müssten bei Recyclingpapier mehr Chemikalien eingesetzt werden. Darüber hinaus sei die Verfügbarkeit von Recyclingpapier in Deutschland ein gravierendes Problem: "Bei Recyclingpapier gibt es große Lieferschwierigkeiten", meinte der Fachmann in der Sitzung. Die zwei regionalen Großhändler würden schon beim Normalpapier auf Ersatzlieferungen ausweichen. Und zu guter Letzt wäre Recyclingpapier rund 30% teurer als Normalpapier. Zusammengefasst: schlechte Verarbeitungsmöglichkeit, höhere Wartungskosten, schwierigere Beschaffung und höhere Einkaufspreise. Damit war das Thema Recyclingpapier in der VG-Versammlung vom Tisch.

Was also tun? "Je weniger ich drucke, desto weniger Bäume werden gefällt", merkte Scheumann an. Dafür gäbe es zwei Möglichkeiten: weniger Auflage oder weniger Umfang.

Über das ähnlich große Randersacker berichtete er, dass das Mitteilungsblatt dort mangels AusträgerInnen nicht mehr in die Haushalte verteilt, sondern im Rathaus und in Geschäften ausgelegt wird. Das funktioniere ganz gut. Diese Lösung schlug die Verwaltungsgemeinschaft aber aus. Margetshöchheims Gemeinderat Gerhard von Hinten merkte dazu an, dass das "Blättle" auch einen integrativen Aspekt habe: "Es besteht die Gefahr, dass wenn die Information abnimmt, auch das Interesse an der Gemeinde abnimmt". Eine Verringerung der Auflage sah die ganze Versammlung höchst kritisch. Ressourcen und Kosten zu sparen, soll nicht zu Lasten der BürgerInnen gehen. Erwähnt sei noch, dass die VG in der Sitzung einer Preiserhöhung des Mitteilungsblattes aufgrund gestiegener Herstellungskosten zugestimmt hat.

Ebenso lehnte die VG es ab, nur noch Ergebnisprotokolle im Mitteilungsblatt zu veröffentlichen. Die ausführlichen Sitzungsprotokolle werden zwar online im Bürgerinformationssystem der Gemeinden veröffentlicht, doch auf die rein digitale Zurverfügungstellung wollte sich die VG den weniger internetaffinen BürgerInnen zuliebe nicht verständigen. Das digitale Informationsangebot der Gemeinden wird in naher Zukunft noch erweitert: neben den Gemeinde-Homepages ist die Einführung einer Gemeinde-App geplant, berichtete Verwaltungsleiter Marcel Holstein in der Sitzung. Erlabrunn holt für die App bereits Angebote ein, Margetshöchheim zieht dann nach.

Die strikte Trennung in ein Margetshöchheimer und ein Erlabrunner Infoblatt stieß ebenso auf breite Ablehnung - wie Scheumann der Vollständigkeit halber vorrechnete, würde dies rund 337.000 Seiten Papier im Jahr sparen. "Wir sind in Margetshöchheim und Erlabrunn eine Verwaltungsgemeinschaft und gehören zusammen. Es ist eine bindende Klammer, wenn ich weiß, was bei den anderen los ist", formulierte es der VG-Vorsitzende und Margetshöchheimer Bürgermeister Waldemar Brohm. Dadurch entstehe eine ganz andere Verbindung der Gemeinden als beispielsweise mit dem näher gelegenen Zell. Einig war man sich, dass die Vereinsnachrichten aus und in beiden Gemeinden wichtig seien; ob auf die Protokolle über Gemeinderatsbeschlüsse der jeweils anderen Gemeinde im Blättle verzichtet werden könne, sollte in den Bürgerversammlungen bei den anwesenden BürgerInnen abgefragt werden. In Margetshöchheim stimmte eine überwältigende Mehrheit dafür, auf die ausführlichen Protokolle des Erlabrunner Gemeinderats im Infoblatt verzichten zu können. In Erlabrunn war es aber genau umgekehrt - dort will eine Mehrheit auch über die Beschlüsse der Margetshöchheimer Gremien informiert werden. Die Verwaltungsgemeinschaft hat in ihrer jüngsten Sitzung deshalb beschlossen, vorerst alles beim alten zu belassen und bis zum nächsten Druckmaschinenwechsel in zwei Jahren tragfähige Lösungen zu erarbeiten.