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Große Bauprojekte treiben den Schuldenstand der Gemeinde auf Rekordniveau

Um die Margetshöchheimer Infrastruktur fit für die Zukunft zu machen, werden aktuell viele große Bauprojekte umgesetzt, darunter die Generalsanierung und Erweiterung der Schule, die das größte und teuerste Bauvorhaben in der Geschichte der Gemeinde ist. Das hat seinen Preis: der Schuldenstand erreicht ein Rekordniveau von knapp 3,6 Millionen Euro.

Der enorme Schuldenstand sei das Ergebnis "gewaltiger Investitionen", erklärte Bürgermeister Waldemar Brohm bei der Bürgerversammlung. Vor Allem für die Schule, die neue Brücke samt Mainlände und die Kindertagesstätte nimmt die Gemeinde viel Geld in die Hand. Während sich die Verbindlichkeiten in den vergangenen zehn Jahren stets unter einer Million Euro bewegt hatten und Margetshöchheim deutlich unter dem bayerischen Landesdurchschnitt blieb, hat sich die Schuldensumme von rund 660.000 Euro im Jahr 2021 auf nunmehr knapp 3,6 Millionen Euro verfünffacht. Dabei hätte es sogar noch teurer kommen können, denn die Gemeinde hat in weiser Voraussicht bereits zu Beginn dieses Jahres günstige Darlehen mit 1% aufnehmen können, bevor die Zinsen durch die Decke gingen. Ein Trost mag sein, dass Margetshöchheim mit seinem neuen pro-Kopf-Schuldenstand von 1.147 Euro immer noch unter dem bayerischen Landesdurchschnitt von 1.512 Euro liegt, wobei Bayern zu den drei am wenigsten verschuldeten Bundesländern gehört. Der bundesdeutsche Schuldenstand pro EinwohnerIn summiert sich in diesem Jahr auf 27.922 Euro. Für 2022 hat die Gemeinde Darlehen in Höhe von 3 Millionen Euro aufgenommen, für 2024 ist eine weitere Million und für 2025 nochmal 1,5 Millionen Euro Schulden eingeplant. Auch der diesjährige Gesamthaushalt der Gemeinde erreicht mit rund 15,7 Millionen Euro ein neues Rekordniveau.

Generalsanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule

Die Rohbauarbeiten für den neuen 3-geschossigen Verwaltungsstrakt gehen gut und planmäßig voran. Im September 2026 soll die Schule fertig sein. (Foto: Gemeinde Margetshöchheim)

Das größte Bauprojekt in der Geschichte Margetshöchheims und gleichzeitig der größte kommunale Bau im Landkreis Würzburg ist die Generalsanierung und Erweiterung der Verbandsschule. Die geschätzten Gesamtkosten sind mittlerweile um knapp 8% auf 27 Millionen Euro angestiegen. Steigende Kosten schlagen sich eins zu eins in die Bücher der Schulverbandsgemeinden durch, weil nur Festzuschüsse von insgesamt rund 10 Millionen Euro gewährt werden. Der Grundschulverband besteht aus den Gemeinden Margetshöchheim und Erlabrunn, zum Mittelschulverband gehören Margetshöchheim, Erlabrunn, Leinach und Zell. "Wir bauen leider zum ungünstigsten Zeitpunkt", meinte Bürgermeister Waldemar Brohm, der gleichzeitig Vorsitzender des Schulverbands ist. Er hofft, dass der avisierte Kostenrahmen möglichst eingehalten werden kann. Die große Investition in den Bildungsstandort Margetshöchheim kostet die Gemeinde nach aktuellen Schätzungen circa 6,8 Millionen Euro; die Rückzahlung erstreckt sich über die nächsten 20 Jahre und beläuft sich auf rund 400.000 Euro jährlich. 

Wie Brohm in der Bürgerversammlung berichtete, laufen die Baumaßnahmen an der Schule bisher planmäßig. Der Umbau ist in vier Bauabschnitte plus Schulturnhalle gegliedert, der erste Bauabschnitt betrifft den Verwaltungstrakt am ehemaligen bzw. künftigen Eingangsbereich. Zunächst wurde der alte Trakt abgebrochen und ein Streifenfundament für den neuen 3-geschossigen Verwaltungstrakt gesetzt. Dafür musste der Baugrund mit über 100 Bohrpfählen vorbereitet werden. Diese Aufgabe habe eine Spezialfirma erledigt, von denen es in ganz Deutschland und der Schweiz nur zwei gebe, erläuterte Brohm. Mittlerweile ist der Rohbau für den neuen Trakt gut vorangeschritten. Er soll im April 2023 fertiggestellt sein, anschließend folgt der Innenausbau. Eine der größten Herausforderungen liege darin, Handwerksfirmen für die technischen Gewerke wie Heizung, Lüftung und Sanitär zu finden, sagte Brohm. Allerdings mache sich bei den Ausschreibungen seit vergangener Woche eine erfreuliche Trendwende bemerkbar: zum Submissionstermin hätten sich deutlich mehr Firmen beworben als in den vergangenen Jahren üblich. Wegen Auftragsrückgängen im Bausektor haben viele Handwerksfirmen wieder mehr Kapazitäten frei. Die gesamte Sanierung und Erweiterung der Verbandsschule soll im September 2026 abgeschlossen sein. Weitere Informationen über den Umbau der Grund- und Mittelschule finden Sie in einem älteren Blog-Artikel unter https://www.margetshoechheim-blog.de/politik-gemeinde/baumasnahmen-dorfentwicklung/300-erste-ma%C3%9Fnahmen-generalsanierung-und-erweiterung-der-schule-startet.

Zu den Investitionen in den Bildungsstandort Margetshöchheim gehört außerdem die Schulverbandsumlage, für die die Gemeinde dieses Jahr rund 350.000 Euro aufwendet.

Mainsteg und Mainlände Bauabschnitt I

Die neue Mainlände soll eine hohe Aufentshaltsqualität bieten, wozu auch drei Kunstwerke und Spielstationen beitragen sollen. (Grafik: Gemeinde Margetshöchheim)

Hohe Investitionssummen fließen außerdem in Margetshöchheims größtes städtebauliches Projekt, den neuen Höchheimer Mainsteg samt Umgestaltung der Mainlände von der neuen Brücke bis zum Rathaus. Der Vermögenshaushalt der Gemeinde ist 2022 mit knapp 9,1 Millionen Euro auf den zweithöchsten Stand seit zehn Jahren geklettert, was unter Anderem an den Einnahmen wie dem 3-Millionen-Euro-Kredit und über 2,1 Millionen Euro aus Zuschüssen, der Investitionspauschale nach dem Finanzausgleichsgesetz und dem Kostenanteil Veitshöchheims am neuen Mainsteg liegt, weil Margetshöchheim die Bauherrin der Brücke ist. Auf der Ausgabenseite stehen für den neuen Mainsteg 4,7 Millionen Euro; den Gemeindeanteil finanziert Margetshöchheim vor und holt sich dann die Fördersummen von der Regierung von Unterfranken zurück. Insgesamt kostet die neue Brücke geschätzte 10 Millionen Euro; aktuell stehen allerdings zusätzliche 2 Millionen Euro an Nachforderungen der Baufirma im Raum, über die sich die Firma und das WNA noch einigen müssen (siehe auch Blog-Artikel https://www.margetshoechheim-blog.de/politik-gemeinde/baumasnahmen-dorfentwicklung/537-es-gibt-erste-einigungen-im-streit-um-den-h%C3%B6chheimer-mainsteg. Wegen der überregionalen Bedeutung des Bauwerks gewährt die Regierung von Unterfranken für den neuen Mainsteg einen erhöhten Fördersatz von 70%; für Margetshöchheim sowie Veitshöchheim bleiben bei Baukosten von 10 Millionen Euro am Ende jeweils rund 1,3 Millionen Euro an Kosten hängen. Weitere Informationen dazu finden Sie auch in einem älteren Blog-Artikel unter https://www.margetshoechheim-blog.de/politik-gemeinde/baumasnahmen-dorfentwicklung/42-neubau-mainsteg-f%C3%B6rderzusage-%C3%BCber-3,1-mio-euro-ist-eingegangen

Für den ersten Bauabschnitt der neuen Mainlände (BA I) vom neuen Steg bis zum Steinernen Weg sind im diesjährigen Vermögenshaushalt 500.000 Euro eingeplant. Die Baumaßnahmen sollen im April 2023 beginnen und 6 Monate dauern; die Gesamtkosten liegen bei 1 Million Euro. Im BA I werden drei Kunstwerke aufgestellt, die in einem Wettbewerb ausgewählt wurden und bereits in der Fertigung sind. Ursprünglich sollte jedes Kunstwerk maximal 20.000 Euro kosten, mittlerweile wurde die Summe aufgrund gestiegener Materialkosten auf 25.000 Euro angehoben. Das ist allerdings nicht der Betrag, den die Gemeinde am Ende ausgibt, weil Fördermittel von der Regierung von Unterfranken fließen werden und auch private Sponsoren wie die Würzburger Bürgerstiftung oder der Obst- und Gartenbauverein (OGV) etliche Tausend Euro für die Kunstwerke beisteuern wollen, berichtet der Zweite Bürgermeister Norbert Götz.

Weitere Informationen über die ausgewählten Kunstwerke finden Sie in einem älteren Blog-Artikel unter https://www.margetshoechheim-blog.de/politik-gemeinde/baumasnahmen-dorfentwicklung/75-neue-mainl%C3%A4nde-drei-erste-kunstwerke-stehen-fest-und-sollen-nach-baubeginn-realisiert-werden.

Sanierung der Kinderkrippe und Erweiterung der KiTa

Ein seit vielen Jahren erwartetes Bauprojekt der Gemeinde ist die Sanierung der Kinderkrippe. Die Gesamtkosten werden auf 900.000 Euro geschätzt, davon zahlen die Gemeinde Margetshöchheim und die Diözese Würzburg jeweils die Hälfte von 450.000 Euro. Vor Kurzem haben die Sanierungsarbeiten an der Kinderkrippe begonnen. Im Außenbereich wurde die Drainage hergestellt, innen wird aktuell an der Dachdämmung gearbeitet.

Weitere Informationen über die Sanierung der Krippe finden Sie in einem älteren Blog-Artikel unter https://www.margetshoechheim-blog.de/politik-gemeinde/baumasnahmen-dorfentwicklung/353-startschuss-f%C3%BCr-die-sanierung-der-kinderkrippe-gemeinde-und-di%C3%B6zese-einigen-sich-endlich-auf-kostenteilung

Auch die Vorbereitungen zur Erweiterung des Kindergartens laufen. Im diesjährigen Vermögenshaushalt schlagen die Planungskosten mit 300.000 Euro zu Buche. Weitere Informationen zur KiTa-Erweiterung finden Sie in einem älteren Blog-Artikel unter https://www.margetshoechheim-blog.de/politik-gemeinde/baumasnahmen-dorfentwicklung/291-kita-neubau-bedarf-an-betreuungspl%C3%A4tzen-ist-erneut-gestiegen.

Investitionen in die jüngsten MargetshöchheimerInnen tätigt die Gemeinde außerdem durch die Betriebsförderung der Kindertagesstätte; sie ist heuer mit 1,1 Millionen Euro angesetzt, wird laut Bürgermeister Brohm aber noch um bis zu 200.000 Euro aufgestockt werden müssen.

Die lang ersehnte Sanierung der Kinderkrippe hat endlich begonnen. (Foto: Tina Göpfert)
Im Innenbereich wird momentan an der Dachdämmung gearbeitet. (Foto: Tina Göpfert)

Neben den "großen Brocken" schlagen auch einige kleinere Infrastruktur-Projekte in der Gemeinde zu Buche:

Klostergelände

Mit der Diözese verhandelt die Gemeinde außerdem über den Erwerb des alten Klostergeländes hinter der Pfarrkirche. Laut Bürgermeister Brohm habe das Areal durch sein hohes Entwicklungspotenzial eine enorme städtebauliche Bedeutung für die Gemeinde, das sie unbedingt nutzen wolle. Bereits seit Jahren finden diesbezüglich Gespräche mit der Diözese statt, die bisher allerdings zu keinem Ergebnis führten. Die Gemeinde bietet der Diözese einen Kaufpreis von 220.000 Euro an, das Geld ist im aktuellen Haushalt eingeplant. Bisher reagierte die Diözese verhalten auf das Kaufangebot und fordert mit über 350.000 Euro deutlich mehr Geld für das marode Gelände. Die Kirchenverwaltung und der neue katholische Pfarrer Andreas Kneitz stehen hinter den Plänen der Gemeinde und unterstützen diese engagiert, berichtete Brohm in der Bürgerversammlung. Im Dezember sollen erneut Gespräche mit der Diözese stattfinden. Die Gemeinde will das Klostergelände möglichst noch in diesem Jahr erwerben.

Das brachliegende Areal des alten Klostergeländes bietet großes Potenzial für die Entwicklung des Margetshöchheimer Altortes. (Foto: Gemeinde Margetshöchheim)

Wegeverbindung Dorftraße-Pointstraße

In nicht allzu ferner Zukunft soll die alte Obsthalle wahrscheinlich zu einer Parkscheune umgebaut werden, dadurch wird das Areal eine große Bedeutung für den Altort bekommen. Um die Erreichbarkeit durch eine neue Querverbindung im Altort zu verbessern, nutzt die Gemeinde nun ihr altes Wegerecht beim ehemaligen Gasthaus Adler in der Dorfstraße, um einen neuen Weg durch den Innenhof zur Pointstraße zu bauen. Der Weg wird mit Basalt- und Kalksteinpflaster errichtet und am Übergang zur Obsthalle mit einer Steinmauer eingefriedet. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 289.000 Euro, wovon nach Abzug der Fördermittel noch 176.000 Euro bei der Gemeinde hängenbleiben. Im diesjährigen Haushalt sind dafür bereits 50.000 Euro eingestellt. Die Baumaßnahme soll im September 2023 beginnen.

Im Innenhof des ehemaligen Gasthaus Adler besitzt die Gemeinde ein altes Wegerecht, das sie jetzt für einen Durchgang von der Dorfstraße zur Obsthalle nutzen will. Gebaut wird ab September 2023. (Grafik: Gemeinde Margetshöchheim)

Förderungen für die neue Gaststätte

Um den Strombedarf der künftigen Gaststätte in der Mainstraße decken zu können, mussten rund 260 Meter neue Starkstromkabel verlegt werden; dafür war eine neue Leitung von der Trafostation in der Schmiedsgasse durch den Klosterhof bis in die Mainstraße nötig. Der erhöhte Strombedarf war von Elektroingenieuren berechnet worden. Aufgrund der schwierigen Bedingungen bei Baugrund und Leitungsführung mit Unterquerungen wurden die Kosten ursprünglich mit großzügigen 200.000 Euro bemessen, am Ende kostete die Maßnahme jedoch "nur" 80.000 Euro. Die Gemeinde übernahm die Kosten, weil sie der neuen Gaststätte im Altort eine große Bedeutung zumisst und die Bauherrin der Gaststätte, die Patrandi GbR mit Gesellschafter Andreas Böhmer, entsprechend unterstützen will. Neben den Kosten für die Stromleitungen bezuschusste die Gemeinde die neue Gaststätte auch mit Städtebaufördermitteln in Höhe von 120.000 Euro; das entspricht der maximalen Fördersumme von 60.000 Euro für jedes der beiden Gebäude. In der Oktober-Sitzung hatte der Gemeinderat nach durchaus kontroversen Diskussionen die maximale Städtebau-Fördersumme auf 60.000 Euro pro Gebäude angehoben. Mittel aus der Städtebauförderung kommen für private Sanierungen in Frage, die der Allgemeinheit dienen; aktuell ist dies bei der neuen Gaststätte sowie bei einem Anwesen in der Dorfstraße der Fall, das zu einem Wohnhaus umgebaut wird. Die Regierung von Unterfranken trägt 80% der förderfähigen Gesamtkosten, die Gemeinde muss einen Eigenanteil von 20% zuschießen; dieser Eigenanteil wurde mit dem neuen Beschluss auf die besagten 60.000 Euro gedeckelt. Die Städtebauförderung ist ein eigenes Förderprogramm und nicht mit dem Kommunalen Förderprogramm der Gemeinde ("Altortsanierung) kombinierbar.

Aller Voraussicht nach soll die neue Gaststätte "Marokko-Schenke" im zweiten Quartal 2023 eröffnen können. Bis zur Eröffnung soll auch die Verkehrssituation am Radweg, wo dann der Biergarten angrenzen wird, entschärft werden. "Wir wollen nicht, dass erste Gäste der neuen Gaststätte über den Haufen gefahren werden", erklärte Brohm in der Bürgerversammlung. Es gebe Überlegungen, den Bereich um die Gaststätte und den Spielplatz für Radfahrer zu sperren oder beispielsweise Bodenschwellen einzubauen, führte er weiter aus. Die Gemeinde sei zusammen mit der Polizei auf der Suche nach Lösungen.

Die Verlegung neuer Stromleitungen für die neue Gaststätte in der Mainstraße übernahm die Gemeinde. (Grafik: Gemeinde Margetshöchheim)

Unterstützung privater Bauprojekte im Rahmen der Altortsanierung

Für die Zuschüsse zur Altortsanierung hat die Gemeinde in diesem Jahr 200.000 Euro veranschlagt. Im Rahmen des Kommunalen Förderprogramms können Sanierungsprojekte mit bis zu 50.000 Euro gefördert werden. Das Programm ist sehr erfolgreich, wie die vielen aufwändig sanierten Gebäude im Altort zeigen.

Ölabscheider für den Bauhof

Am Bauhof in der Rosenstraße muss der Ölabscheider dringend ausgetauscht werden. Dazu muss der alte Ölabscheider ausgebaut und eventuell ein neuer Spülschacht hergestellt werden. Dazu kommen unter Anderem ein neuer Schlammfang mit 2.500 Litern Fassungsvermögen, ein Probenahmeschacht und ein Waschplatz mit flüssigkeitsdichter Betonfläche. Die Sanierung soll im Februar 2023 beginnen und etwa fünf Monate dauern. Im Haushalt sind dafür 175.000 Euro vorgesehen, wobei die Baukosten nach aktueller Schätzung rund 10% niedriger ausfallen dürften; derzeit geht die Gemeinde von tatsächlichen Gesamtkosten in Höhe von 135.000 Euro aus.